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Zwischen Planungs-sicherheit und Sorgegesprächen

Wer in einem Pflegeheim oder in einer Behinderteneinrichtung lebt, soll künftig gezielt dazu bewegt werden, eine Patientenverfügung zu erstellen. Darauf zielt die »Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase«, eingeführt mit dem Hospiz- und Palliativgesetz – als bezahlte Leistung der Krankenkassen.
Hintergründe und individuelle wie gesellschaftliche Risiken solcher Planungsprogramme wurden im September im Rahmen einer Tagung in Münster unter die Lupe genommen.
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Leben machen - Sterben lassen

Medizinische Technologien machen den Frauenleib zum »öffentlichen Ort«(Barbara Duden). Schwangerschaft und Geburt werden umgestaltet in den Praxen der Reproduktionsmediziner, in den Reagenzgläsern der Laboranten/innen. Das Kinderkriegen wurde zum Kindermachen – der »Wunsch« ist zum »Recht auf« (die Schwangerschaft, das Kind, die genetische »Qualität« des Kindes etc.) geworden. Rechtsansprüche und Dienstleistungsmentalität schaffen auch neue Märkte. So werden Eizellen kommerzialisiert und zum begehrten Rohstoff. In einigen Ländern kann man per Vertrag Frauen mieten, um ein Kind austragen zu lassen (sog. Leihmütter).

Eine ähnliche Entwicklung ist am Lebensende zu beobachten. »Es ist keine Übertreibung zu behaupten, daß immer weniger von uns einfach an Lebensmüdigkeit oder Altersschwäche sterben. Einfache Sterbefälle sind bereits altertümliche Raritäten. Zumeist wird der Tod hergestellt. Gestorben wird. Nicht Sterbliche sind wir heutigen, primär vielmehr Ermordbare«, schrieb Günther Anders 1979 in seinem Essay »Die Antiquiertheit des Sterbens«. Nicht nur Kriege und Umweltverschmutzung stellen ‘Tode her’. Sterben wird in den medizinischen Einrichtungen vorverlegt, eingeleitet, hergestellt. Der Tod schrumpft auf ein »institutionell verfasstes Binnenereignis« (G. Anders) und verschwindet. Selbstbeteiligungsinstrumente wie das Angebot der »Patientenverfügung« versprechen eine Art Betroffenen-Autonomie – gegen die dominierenden politischen und ökonomischen Bedingungen innerhalb der Kliniken und der Krankenbehandlung.
Doch diese neue, angebliche Mitsprachemöglichkeit am Lebensende, bei chronischer Krankheit, Koma oder Behinderung verheißt keine Abkehr von biomedizinischer Vorherrschaft.