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EDITORIAL Heft Nr. 89 (September 2022)

Alternativlos?

Leider ist der aktuelle Newsletter voll mit schlechten Nachrichten, so wie die allgemeinen Medien derzeit auch. Das ist zwar nicht wirklich alternativlos, aber es entspricht der derzeitigen politischen Lage und auch Gemütslage vieler. Immerhin hat Udo Sierck mit seinen beiden Artikeln so etwas wie einen positiven Einblick in vergangene Zeiten beigesteuert – darunter eine Buchbesprechung, die einen anderen Blick auf menschliche Beziehungen trotz schlechter Voraussetzungen ermöglicht. (Siehe Seite 7).

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Die anderen Beiträge sind leider nicht sehr hoffnungsvoll. Oliver Tolmein stellt den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur sogenannten Triage vor. Der droht alternativlos parlamentarisch durchgewinkt zu werden, ohne gesellschaftlichen Diskurs und ohne Beteiligung von Selbstvertretungs-Organisationen von Menschen mit Behinderungen. „Ein besonders finsterer Handlungsabschnitt für das Parlament.“ (Siehe Seite 4).

Gregor Wolbring, ein langjähriger Aktivist aus Kanada, verfolgt seit langem die Euthanasiepolitik in diesem Lande – und was diese für Menschen mit Behinderungen, im Alter und psychischen Erkrankungen bedeutet (Siehe Seite 2). Und Erika Feyerabend stellt eine neue Variante der „modernen Tötungsphantasien“ vor: Der Sarco, eine Art Todeskapsel, wird uns von dem Erfinder als „demokratisch“ und wirklich „selbstbestimmt“ vorgestellt (Siehe Seite 8).

Dieses und die anderen erwähnten Schreckensprojekte sind alles andere als alternativlos. Wir können eine notwendig andere Sicht auf die Mitmenschen und die Natur entwickeln. Das zeigen uns besonders jene, die auf staatliche Unterstützung und unsere Solidarität besonders angewiesen sind und gar nicht auf die Idee entwickeln, nur als Einzelkämpfer und Einzelkämpferinnen durchs Leben kommen zu können. Gegenseitige Hilfe würde bei der Arbeit zuträglich sein und nicht nur als Good-Will-Erklärung in der UN-Behindertenrechtskonvention (Siehe Seite 1). Allen würde ein sorgender und pfleglicher Umgang gut tun. Schließlich ist die Vorstellung von Autonomie und Einzelkämpfertum nicht mehr als eine Illusion.

Für das Team des newsletters
Erika Feyerabend

Die aktuelle Ausgabe Nr. 89 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 99.

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