BioSkop unterstützen! Kontakt Über uns
Kontakt Impressum

EDITORIAL Heft Nr. 83 (März 2021)

Die im Dunkeln sieht man … doch!

Wer beim Titel des Editorials an die Zeile „Die im Dunkeln sieht man nicht“ aus Brechts Mackie Messer-Moritat denkt, liegt ganz richtig. Jedenfalls mussten wir vom newsletter auch daran denken, als wir von einer Veranstaltung Kenntnis nahmen, mit dem Titel: „Führung jenseits von Barrieren – Frauen mit Behinderungen und ihr Beitrag zu gesellschaftlicher Entwicklung“: Dort war auch Verena Bentele, ehemalige Bundesbehindertenbeauftragte und jetzige Präsidentin des Sozialverbands VdK, als Referentin angekündigt. Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ hat Bentele jedenfalls in die „Junge Elite – top 40 unter 40“ gewählt. Wenn diese herrschende Elite zunehmend divers wird, fragt sich: Wer bleibt im Dunkeln, wer kommt ans Licht?

newsletter_83_188px.jpg

Im Dunkeln stehen in der Regel jene, die Wege abseits des Mainstreams verfolgen. Das zum Beispiel in der schulischen Inklusion. Normalerweise läuft die Diskussion um die Eingliederung behinderter Kinder in Regelschulen. Ungewöhnlich ist der umgekehrte Weg, nichtbehinderte Kinder in Förderschulen aufzunehmen. Volker van der Locht stellt ein Projekt aus Leipzig vor, das diesen Weg eingeschlagen hat (Seite 2).

Ebenso stehen die im Dunkeln, deren Schicksal im konformen Journalismus keine Beachtung finden. Dazu haben wir im newsletter einige Beispiele zusammengetragen. Wer weiß schon etwas über die Situation Gehörloser auf ihrem letzten Weg beim Sterben? Mehr dazu auf Seite 5. Desgleichen protestieren auch Behinderte in Myanmar (Burma) gegen den Militärputsch (Seite 1). Auch der, wie sonst üblich, verdrängten NS-Euthanasie-Opfer wollen wir gedenken und verweisen auf eine Initiative von Andreas Hechler (Seite 8).

Im Dunkeln zu verbleiben ist aber nicht nur negativ. Das Ungeborene konnte so im Mutterleib reifen. In den letzten Jahrzehnten zerren Pränataldiagnostiker die Leibesfrucht ins Licht ihres ärztlichen Blicks. Ziel ist, mögliche Behinderungen an ihr zu erkennen, mit der zumeist gewählten Option der Abtreibung. Die sogenannten nichtinvasiven Pränataltests erleichtern dies erheblich, besonders wenn die Krankenkassen das bezahlen. Dagegen hat sich ein vielfältiges und buntes Widerstandsbündnis formiert. Über den Stand der Auseinandersetzung berichtet Erika Feyerabend auf Seite 4.

In der Hoffnung, etwas Licht in die oft düstere Berichterstattung über behinderte Menschen gebracht zu haben, wünschen wir allen Leserinnen und Lesern einen schönen Frühlingsanfang.

Für die newsletter-Redaktion

VOLKER VAN DER LOCHT

Die aktuelle Ausgabe Nr. 83 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 93.

Hier können Sie das aktuelle Heft BESTELLEN.

ABONNIEREN Sie BIOSKOP! Dann erhalten Sie den newsletter Behindertenpolitik regelmäßig gratis dazu.