EDITORIAL Heft Nr. 104 (Juni 2026)
Erwartbare Ereignisse
Der Tod ist fast immer unerwartet. Monika Strahl ist gestorben. Ihre Freundinnen und Mitstreiterinnen Heike Ehrig und Anne Waldschmidt erinnern an sie und an die Behindertenbewegung, die sie sehr prägten und von der auch Monika Strahl in ihrem Leben geprägt war.

Im Gedächtnis ist vielleicht noch die Fotoausstellung „Unbeschreiblich weiblich“, die Monika Strahl wesentlich mitorganisiert hat; sie hat Bilder von Frauen mit Behinderung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihr Leben war nicht immer einfach, in einer behindertenfeindlichen Gesellschaft, die sie und die Behindertenbewegung aber ein wenig freundlicher gestaltet hat (Seite 2).
Die AfD kündigt an, einiges von den Errungenschaften der letzten Jahre zum Verschwinden zu bringen. Die schulische Inklusion wird laut ihrem Programm für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt abgelehnt, es wird gar vom Recht, die Schule besuchen zu können, Abstand genommen. Disability Studies sollen nicht gefördert werden, Behindertenparkplätze auch nicht. Es steht zu befürchten, dass über 40 Prozent der Wahlberechtigten diese Partei im September wählen werden. Das gilt es zu verhindern – von klar denkenden, menschenfreundlichen Menschen, mit und ohne Behinderung. Michael Zander beleuchtet die behindertenfeindlichen Positionen der AfD (Seite 5).
Überhaupt nicht erwartbar war der Lebenslauf der Künstlerin Alison Lapper. Sie wurde ohne Arme und mit verkürzten Beinen 1965 in England geboren und galt meist als bedauernswert und mindestens störend. Solche Erfahrungen und der Aufenthalt in einem Behindertenheim lösten bei Alison Lapper Widerstandsgeist und den Wunsch nach mehr Unabhängigkeit aus. Unerwartet – aber schön und nachahmenswert. Udo Sierck macht auf diese Lebensgeschichte aufmerksam (Seite 7).
Der „Nationale Veteranentag“ der Bundeswehr soll auch „Inklusion, Rehabilitation und gesellschaftliche Anerkennung“ thematisieren. In diesem Kontext dient „gesellschaftliche Anerkennung“ von Menschen – mit kriegsbedingten Behinderungen – vor allem der Rechtfertigung von Gewalt und Kämpfen. Michel Zander zeigt diesen Zynismus auf (Seite 8).
Erika Feyerabend für das Team der Newsletter-Redaktion
Die aktuelle Ausgabe Nr. 104 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 114.
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