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EDITORIAL Heft Nr. 87 (März 2022)

Keine „Helden” gesucht!

Wir machen dieses Mal eine „Notausgabe” des Newsletters mit nur vier Seiten. „Bitte helft mit, dass der Newsletter weiter erscheinen kann. Bitte meldet euch in den nächsten Tagen, per Telefon, Mail oder Brief.“ Das war in der vorigen Ausgabe, kurz nach dem Tod unseres Redakteurs Volker van der Locht, unser Hilferuf. Er ist erhört worden. Wir wollten auf keinen Fall eine Situation, in der nur Menschen ohne Behinderung über solche mit Behinderung schreiben. Das scheint – mit aller Vorsicht – zu gelingen, braucht aber etwas Zeit.

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Gerne nehmen wir noch weitere Meldungen an! Wir hoffen und denken, dass die nächste Ausgabe dann wieder mit acht Seiten gefüllt werden kann. Martin Seidler hat in dieser Ausgabe die Alltagsbewältigung von Menschen mit Behinderung noch einmal aufgerufen, die eben nicht mit dem schön klingenden Satz „Nicht wir sind behindert, sondern die Gesellschaft behindert uns“ aus der Welt zu schaffen ist. Udo Sierck macht auf die Gefahr aufmerksam, die in einer Banalisierung des Alltags mit Behinderung münden kann. „Gut gemeint, schlecht gemacht“ ist eine Auseinandersetzung mit einem Kinderbuch der Bundeszentrale für politische Bildung. Sie ist „gut gemeint“, schafft aber durch falsche Bilder von Behinderung „die Möglichkeit zur gegenseitigen Umkehrung der Verhaltenserwartungen“ keine Basis, um „eine bereichernde Beziehung zu formen und aufeinander zuzugehen“.

Zuzuhören, differenziert zu beobachten und Anteilnehmen an einem Leben, das nicht dem Ideal des leistungsfähigen, immer erfolgreichen Individuums entspricht oder entsprechen kann, würde uns allen gut zu Gesicht stehen. Von den „Helden“, die sich in Social Media präsentieren oder in der Politik als solche darstellen und dargestellt werden – besonders beliebt in Kriegszeiten – davon haben wir genug. Erika Feyerabend beschreibt in ihrem Artikel „Denkanstoß oder wirkungslos“ ein Highlight der Debatte um vorgeburtliche Selektion, wie eine solche gelingen kann, insbesondere, wenn Menschen mit Behinderung, Eltern von
Kindern mit Behinderung, Frauenärzt_innen und auch Wissenschaftler_innen in ein ernsthaftes Gespräch kommen. Schön wäre es, wenn das auch auf politischer Ebene der Entscheidung und Problembeschreibung angestrebt würde und gelingen könnte.

Für die Redaktion
Erika Feyerabend

Die aktuelle Ausgabe Nr. 87 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 97.

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