EDITORIAL Heft Nr. 102 (Dezember 2025)
Erzählte und vergessene Lebensperspektiven
Das Jahr 2025 geht zu Ende. Die Zukunftsaussichten sind düster.

Zum Beispiel, wenn wir an die Klimakatastrophe denken. Nicht nur die Lebensbedingungen in den ärmeren Kontinenten werden hierzulande nicht bedacht, auch die besonderen Risiken von Menschen mit Behinderung oder anderen krankheitsbedingten Einschränkungen sind in der Regel kaum der Rede wert. Michael Zander macht darauf aufmerksam und auch darauf, dass – behindert oder nicht – wir alle dieser gefahrvollen Zukunft ausgesetzt sind (Seite 2).
Die Biografie von Friedrich Schröder, die Udo Sierck erzählt, zeigt, dass auch unter den schlimmsten persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen unangepasste, phantastische und künstlerische Möglichkeiten erblüht sind. Nach dem Leben in Anstalten hat sich Friedrich Schröder zum Sonnenkönig Eliot der I. ernannt. Einerseits hat er sich als Kurpfuscher und Vagabund durchgeschlagen, nach dem Faschismus ist er surrealer Zeichner von einigem Ruhm geworden. Verwahrlost starb er 90-jährig in Berlin (Seite 4).
Die Historikerin Dagmar Herzog berichtet von ihren Forschungen über die Tötung von behinderten Neugeborenen als Ideologie zwecks Optimierung einer Bevölkerung vor dem Faschismus, von dessen trauriger Realität im Faschismus und den verleugneten Opfern nach dem Faschismus (Seite 6). „Hilfebedürftigkeit als unweigerlicher Aspekt menschlichen Daseins“ scheint für viele immer noch nicht einsichtig geworden zu sein. Das zeigen besonders die rechtspopulistischen Akteure der Gegenwart.
Zum Glück gibt es auch andere Ideen, zum Beispiel von Georg Feuser. Uns alle zu zwingen, „ein von behinderten und beeinträchtigten Menschen getrenntes Leben führen zu müssen“, lässt auch die scheinbar Privilegierten emotional und intellektuell deformiert zurück. „Gemeinsames kooperatives Lernen, das die Vielfalt aller Kulturen und Fähigkeiten miteinbezieht, kann die Kinder und Jugendlichen am besten darauf vorbereiten, die gewaltigen Probleme unserer Zeit anzugehen.“
Erika Feyerabend für das Team der Newsletter-Redaktion
Die aktuelle Ausgabe Nr. 102 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 112.
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