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Gefahren der Forschungs- und Vorsorgepolitik

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kleiner "BIOSKOP-Wirbel" Artikel zu den Themen:

Unter dem Vorzeichen der Molekulargenetik wird im Labor experimentiert – mit allem was lebt! Molekulargenetiker entwerfen dabei Durchschnittsgenome, an denen sich Norm und Abweichung errechnen lässt. So entstehen Daten-Körper biologischer Art (1).Das hat Folgen. Der gesundheitspolitische Gebrauch solcher Daten für genetisch basierte Vorhersagen in der Pränataldiagnostik oder flächendeckende Gentests an ganzen Bevölkerungen zielt darauf, Erkrankungs-Risiken zu entdecken und zu minimieren. Unter anderem sollen Kinder vermieden werden, die hohe Kosten im Gesundheitswesen verursachen. Durch eine molekularbiologisch gestützte Vorsorgepolitik (Francois Ewald) (2) wird so eine »sanfte Eugenik« (3) durchgesetzt, d.h. eine freiwillige genetische Perfektionierung – ganz ohne offenen Zwang. Das ist nicht nur für Fortpflanzungsentscheidungen relevant. Der gesamte Lebensweg wird zu einer Abfolge von Risiken, die eintreten oder vermieden werden können. Der zentrale Begriff dieser Politik ist die »Prävention«. Lückenlose medizinische Überwachungen von Einzelnen oder ganzen Bevölkerungsgruppen, freiwillige Teilnahme an klinischen Studien um zukünftiger Generationen willen, werden so plausibel gemacht. 

(1) 1990 startete offiziell das internationale Human Genom-Projekt. Wissenschaftler in aller Welt machten sich daran, die vermuteten genetischen Grundelemente auf allen Chromosomen in ihrer Reihenfolge zu bestimmen. Wenige, ausgewählte Individuen verschiedener Ethnien stellten Körperstoffe für diese Analyse zur Verfügung. So wurde eine »Arbeitsversion« des Durchschnittsgenoms konstruiert, das nun als biologische Tatsache angesehen wird. Mittlerweile sind auch Privatunternehmer engagiert.<

(2) Der französische Philosoph Francois Ewald spricht von einem »Vorsorgestaat«: »Jedermanns Leben ist ein Risikofaktor für die anderen. Es ist unmöglich, den anderen nicht Schaden zuzufügen. Dem Staat kommt die Aufgabe zu, dafür zu sorgen, daß sich ein jeder möglichst prophylaktisch verhält.« Die Politik der Genetifizierung gibt den Vorsorge-Politikern die gesundheitspolitischen Mittel in die Hand, Prävention und Eugenik auf einen Nenner zu bringen.<

(3) Der führende französische Genomforscher Daniel Cohen spricht diese Logik in seiner Biographie in seltener Offenheit an: »Wir sollten keine Angst vor Worten haben. Es wird eine Art Eugenik sein, gewiß, aber eine Eugenik, die bewahren will, nicht eliminieren, eine humanitäre, nicht eine totalitäre Eugenik ...« (Daniel Cohen, Die Gene der Hoffnung, München/Zürich 1995, S. 329)<


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