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Leben machen Sterben lassen |
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Medizinische Technologien machen den Frauenleib zum »öffentlichen Ort« (Barbara Duden) (1). Schwangerschaft und Geburt werden umgestaltet in den Praxen der Reproduktionsmediziner, in den Reagenzgläsern der Laboranten/innen. Das Kinderkriegen wurde zum Kindermachen der »Wunsch« ist zum »Recht auf« (die Schwangerschaft, das Kind, die genetische »Qualität« des Kindes etc.) geworden. Rechtsansprüche und Dienstleistungsmentalität schaffen auch neue Märkte. So werden Eizellen kommerzialisiert und zum begehrten Rohstoff. In einigen Ländern kann man per Vertrag Frauen mieten, um ein Kind austragen zu lassen (sog. Leihmütter). Eine ähnliche Entwicklung ist am Lebensende zu beobachten: »Es ist keine Übertreibung ... zu behaupten, daß immer weniger von uns einfach an Lebensmüdigkeit oder Altersschwäche sterben. Einfache Sterbefälle sind bereits altertümliche Raritäten. Zumeist wird der Tod hergestellt. Gestorben wird. Nicht Sterbliche sind wir heutigen, primär vielmehr Ermordbare«, schrieb Günther Anders 1979 in seinem Essay »Die Antiquiertheit des Sterbens«. Nicht nur Kriege und Umweltverschmutzung stellen 'Tode her'. Sterben wird in den medizinischen Einrichtungen vorverlegt, eingeleitet, hergestellt. Der Tod schrumpft auf ein »institutionell verfasstes Binnenereignis« (G. Anders) und verschwindet. Selbstbeteiligungsinstrumente wie das Angebot der »Patientenverfügung« versprechen eine Art Betroffenen-Autonomie gegen die dominierenden politischen und ökonomischen Bedingungen innerhalb der Kliniken und der Krankenbehandlung. Doch diese neue, angebliche Mitsprachemöglichkeit am Lebensende, bei chronischer Krankheit, Koma oder Behinderung verheißt keine Abkehr von biomedizinischer Vorherrschaft. Denn von vielem ist nicht die Rede. (2)
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(1) Die Historikerin Barbara Duden untersucht die Bedingungen, »unter denen im Laufe einer Generation neue Techniken und Sprechweisen das Verständnis und das Erleben von Schwangerschaft umgestülpt haben. Denn in wenigen Jahren wurde aus dem Kind ein Fötus, aus der schwangeren Frau ein uterines Versorgungssystem, aus dem Ungeborenen ein Leben und aus dem »Leben« ein (...) allumfassender Wert.« (Barbara Duden, Der Frauenleib als öffentlicher Ort, Hamburg/Zürich 1991, S.10)<
(2) ... vom schlechten Personalschlüssel in den Kliniken, von mangelnder Ausbildung im Umgang mit Komatösen oder Sterbenden, von der schlichten Unmöglichkeit, im Alltag der verschiedenen Einrichtungen den Bedürfnissen einzelner Patienten nachzukommen, Beistand zu leisten. Statt dessen beschwören Ethik-Experten das »ethische Dilemma« am Lebensende bis hin zur Euthanasie, zur Patiententötung.<
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| zur BioSkop-Startseite | update: 17.03.2003 |