Nr. 16 (Dezember 2001)
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Das Wichtigste im Überblick
BIOSKOP-Schwerpunkt
Rot-Grün plant die biometrische Totalerfassung der Bevölkerung
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) will sein so genanntes »Sicherheitspaket II« noch vor Weihnachten durch Bundestag und Bundesrat bringen. Das Drei-Milliarden-Programm wird die Asyl- und Abschiebebedingungen verschärfen, die Kompetenzen von Bundeskrimalamt und Geheimdiensten erweitern und nahezu grenzenlose Datenerfassungen von ZuwanderInnen, AsylbewerberInnen und Visumspflichtigen erlauben. Und das rot-grüne Paket ermöglicht, was bislang undenkbar schien: die biometrische Vermessung aller! Fingerabdrücke und andere Körpermerkmale könnten künftig zentral gespeichert werden, wenn die VolksvertreterInnen zustimmen. Dann würde die gesamte Bevölkerung zum Datenkörper, der vielfältig gestaltet, geplant und kontrolliert werden kann.
BIOSKOP nimmt das »Sicherheitspaket II« eingehend unter die Lupe und zeigt, wie die geplante biometrische Totalerfassung auch zur Durchsetzung gesundheits- und gesellschaftspolitischer Ziele genutzt werden kann. Und BIOSKOP erinnert an Pioniere der Erfassung, die gleichzeitig Pioniere der Eugenik sind.
Ersatzteillager Mensch
Studie zu Herzverpflanzungen widerlegt Propaganda der Transplantationslobby
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die hierzulande für die Organisation der »Organspende« verantwortlich ist, verbreitet immer wieder Aussagen wie diese: »Die mangelnde Verfügbarkeit eines Transplantats«, heißt es im aktuellen DSO-Bericht, »bedeutet bei der Herz- und Lebertransplantation den Tod des Patienten auf der Warteliste.« Erhebliche Zweifel an der Seriösität solcher Behauptungen begründet nun eine Studie, bei der Daten aller PatientInnen ausgewertet wurden, die 1997 in Deutschland auf ein fremdes Herz hofften. Untersucht wurde, wer eine höhere Lebenserwartung hat: transplantierte PatientInnen oder schwer Kranke, die auf der Warteliste verblieben waren, weil für sie kein fremdes Herz zur Verfügung stand. Kernergebnis der vergleichenden Studie: Statistisch gesehen, steigern Herzverpflanzungen die Lebenserwartung offenbar nicht, die Zahlen sprechen eher für das Gegenteil.
BIOSKOP stellt die Herzstudie vor und beleuchtet die im Hintergrund stehenden Interessen der Transplantationszentren. Und BIOSKOP wundert sich, dass Politik und Transplantationslobby bisher keine Konsequenzen aus den Resultaten der Untersuchung gezogen haben.
Versuche am Menschen
Wieder auf der Agenda: Fremdnützige Forschung mit Nichteinwilligungsfähigen
Die biopolitische Debatte konzentriert sich seit Monaten auf die Frage, ob Forschung an menschlichen Embryonen und embryonalen Stammzellen erlaubt werden soll oder nicht. Dabei droht aus dem Blick zu geraten, dass Wissenschaft, Pharmaindustrie und Politik sich immer noch hartnäckig bemühen, ein Ziel durchzusetzen, das zumindest in Deutschland lange tabu war: die Legalisierung fremdnütziger medizinischer Forschung mit Alzheimer- und KomapatientInnen, mit psychisch kranken und geistig behinderten Menschen, mit Kindern und Strafgefangenen.
BIOSKOP analysiert brisante Dokumente von Europarat und Weltärztebund, die geeignet sind, den Schutz nichteinwilligungsfähiger Menschen im Rahmen medizinischer Forschung aufzuweichen. Und BIOSKOP unterstützt den Widerstand dagegen.
Weitere Themen
+ BIOSKOP-Leitartikel: »Risikopolitik – mit Sicherheit«
+ Biopolitik: Wem nützen »Bürgerkonferenzen«?
+ Impfzwang durch die Hintertür
+ Euthanasie: Tödliche Kalkulationen am Lebensende
+ Belgien will PatientInnen-Tötungen auf Verlangen erlauben
+ Gentests: Beschränkte »Selbstbeschränkung« der Versicherungen
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+ Literaturtipps
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