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> EDITORIAL Heft Nr. 69 (September  2017)

Staatenlos

Nein, es geht in der vorliegenden Ausgabe des newsletters nicht um Flüchtlinge, MigrantInnen oder andere, die in einem ungesicherten Status in einem Land irgendwo leben. Eher geht es bei dem Wortteil „los“ um ein Lotterielos, welches die einen gewinnen und die anderen verlieren lässt. Und das gilt besonders für gesellschaftliche Gruppen hierzulande, denen der Staat entweder wohlgesonnen oder ablehnend gegenübertritt.



Ein Glückslos in Sachen Staat hatte sicher die Pharma-Firma Grünenthal gezogen, als sie das Schmerzmittel „Contergan“ auf den Markt brachte. Hier schaute der Staat in seiner Aufsichtsfunktion über Arzneimittelrisiken weg, um die Selbstregulierungskräfte des Marktes und der Wissenschaft nicht zu „behindern“. Erika Feyerabend stellt einige neuere Forschungsergebnisse zur Geschichte der staatlichen Arzneimittelaufsicht vor (Seite 2).


Des einen Glück ist des anderen Leid. So bedeutet staatliches Wegschauen für andere Menschen: Sie haben eine Niete unter den Losen der Staatslotterie gezogen. Das betrifft sowohl die Opfer der NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“ als auch die früheren Heimkinder aus den Behinderteneinrichtungen der frühen Bundesrepublik. Ihnen wird durch Ignorieren die angemessene politische Würdigung und finanzielle Entschädigung verweigert.


Zur ersten Opfergruppe verweist die vorliegende Ausgabe des newsletters auf zwei Veröffentlichungen „Gegen das Vergessen“ (Seite 1) und die Besprechung eines neuen Buches des Bundes der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten (Seite 4). Über den aktuellen Stand der unbefriedigenden Leistungen für ehemalige Heimkinder aus Behinderteneinrichtungen berichtet Volker van der Locht auf Seite 7.


Jenseits der harten Realitäten des Marktes und des Staates mag der Bereich der Kultur ein Glückslos für unsere Leserschaft darstellen. Hierzu verweisen wir auf eine Ausstellung behinderter Menschen in Wismar (Seite 6) und – noch ein Lesetipp – auf einen neuen Groll-Roman von Erwin Riess (Seite 8). So hoffen wir, mit diesem newsletter den LeserInnen im Dschungel der Neuveröffentlichungen, die auf den anstehenden Buchmessen ausgestellt werden, etwas Orientierung zu geben.


Für die newsletter-Redaktion


VOLKER VAN DER LOCHT

Die aktuelle Ausgabe Nr. 69 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 79.

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