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> EDITORIAL Heft Nr. 67 (März 2017)

Zukunftsangst und Zukunftssehnsucht

Die Zeiten heute sind unsicher. Viele fragen sich, was uns erwartet. Wer wird etwa in Frankreich zum Präsidenten oder zur Präsidentin gewählt? Wird auch in Deutschland der Rechtsextremismus stärker? Solche Fragen beschreiben Zukunftsängste, die aber nicht nur in der großen Politik angesagt sind.

Unser tägliches Leben wird ebenfalls durch die technologische Entwicklung bestimmt. Werden Menschen mit Behinderung hier ausgeschlossen oder profitieren sie davon. Ist diese Entwicklung beängstigend oder drückt sie eine Zukunftssehnsucht aus? Das Institut für Mensch, Ethik und Wissenschaft widmete sich während einer Veranstaltung dieser Thematik. Unter dem Titel „Verletzlich in der digitalen Welt?“ berichten Ulrike Baureithel und Katrin Grüber über Auswirkungen digitaler Technologien auf das Leben von Menschen mit Behinderungen auf Seite 4.

Die digitalen Technologien haben sehr viel mit der Kommunikation im Internet zu tun. Ganz analog hat dagegen die Mainzer Sprachwissenschaftlerin Prof. Silvia Hansen mit ihrem Forschungsteam geprüft, wie Leichte und Einfache Sprache in und von welchen Bevölkerungsgruppen genutzt werden. Auch hier ist für viele Menschen manches noch Zukunftssehnsucht. Denn angesichts der oft schwer verständlichen Verwaltungssprache von Behörden, Krankenkassen oder anderen Institutionen bevorzugen SeniorInnen oder MigrantInnen Texte in Einfacher Sprache. Menschen mit Geistiger Behinderung plädieren eher für Texte in Einfacher Sprache. Mehr dazu erläutert Erika Feyerabend auf Seite 1.

Zukunftssehnsucht und Zukunftsangst hat es auch schon in der Vergangenheit gegeben. Gab es doch für viele Menschen mit Behinderung nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus 1945 die Hoffnung, dass der eugenisch motivierte Rassismus gegen Kranke und Behinderte endlich vorbei sei. Wie Volker van der Locht im historischen Artikel ausführt, erwies es sich aber als beängstigend, dass schon 1947 ehemalige NS-Wissenschaftler mit einem neuen Sterilisationsgesetz hervortraten (Seite 6).

Jenseits der großen historischen Epochen in der Vergangenheit oder Zukunft kann das Künftige sehr viel näher liegen und selbst erlebt werden. Wer denkt nicht beim Schwimmen an Sommer, Sonne und Wärme? Wetterunabhängiger ist das Schwimmen in einem Hallenbad. Am besten ist die Kombination von Frei- und Hallenbad. Erika Feyerabend stellt uns eine solche Initiative aus Bochum-Wattenscheid vor. Sie soll darüber hinaus für unterschiedlich Eingeschränkte barrierefrei gestaltet werden – welch eine Zukunftssehnsucht (Seite 2).

In der Hoffnung, die LeserInnen auf künftig wärmere und zukunftsoffenere Tage eingestimmt zu haben, wünschen wir allen eine anregende Lektüre des newsletters.

Für die newsletter-Redaktion

VOLKER VAN DER LOCHT

Die aktuelle Ausgabe Nr. 67 des newsletter Behindertenpolitik erschien als Beilage zu BIOSKOP Nr. 77.

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