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Berichte, Hintergründe, Analysen über Euthanasie und Patienten-Verfügungen


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»Sterbehilfe«, Demoskopie, Meinungsmache


NEUE UMFRAGE

  • BürgerInnen*, spontan befragt am Telefon zwischen dem 2. und 4. Oktober 2014 – Auftraggeber: ARD-Sendung hart aber fair
  • Etappenziel der Euthanasie-Befürworter

    »Wird diese Haltung stabil bleiben?«, fragte vor vier Jahren der Psychologe Michael Wunder, Mitglied des Deutschen Ethikrates, mit Blick auf die ablehnende Haltung der Bundesärztekammer-Spitze zum ärztlich unterstützten Suizid.

    Wunders Analyse, gedruckt in BIOSKOP Nr. 51, ist nach wie vor aktuell und lesenswert – gerade im Kontext der aktuellen Diskussion.

    > Der ganze Artikel

    > »Geschlossene Fachtagung« für ÄrztInnen in der evangelischen Akademie Berlin

    Fortbildung? Marktsondierung? Gesundheitspolitik?


    Schwerpunkt

    Euthanasie

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    Einfluss suchende Suizidbeihilfe-Befürworter unter verschiedenen Hüten

    Gut beraten?

    Die Kampagne pro Beihilfe zur Selbsttötung hat an Fahrt aufgenommen – nach Meinungsumfragen und diversen TV-Talkshows sollte heute eine Pressekonferenz, die mehrere Organisationen gemeinsam in Berlin abhielten, für weitere Aufmerksamkeit und Stimmung sorgen. Ebenfalls heute gab die als Veranstalter mit einladende Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) bekannt, dass einer ihrer bekanntesten Unterstützer, der frühere _MDR_-Intendant Prof. Udo Reiter, sich »nach Polizeiangaben« selbst getötet habe. Das langjährige DGHS-Mitglied Reiter hatte die aktuelle »Sterbehilfe«-Debatte Anfang dieses Jahres maßgeblich mit ausgelöst, für einiges Aufsehen sorgte sein Text »Mein Tod gehört mir«, veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung. Reiters Text provozierte seinerzeit einen _SZ_-Gastbeitrag namens »Gefährliche Melodie« des Ex-SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering – sein nachdenklicher, lesenswerter Artikel, der auch ökonomische und sozialpolitische Rahmenbedingungen im deutschen Gesundheitswesen anschnitt, wurde in den übrigen Medien scheinbar kaum beachtet.

    Als Expertise wurde bei der heutigen Berliner Pressekonferenz ein Papier von Dieter Birnbacher vorgestellt; in Agenturberichten, die sich auf die Pressemitteilung der Veranstalter bezogen, wurde der Philosophieprofessor als amtierender Vorsitzender der Zentralen Ethikkomission bei der Bundesärztekammer (BÄK) vor- und dargestellt. Das klingt ja ganz wichtig – und tatsächlich zählt der ZEKO-Vorsitz (seit Dezember 2013) zu den zahlreichen Funktionen, die der politikberatungserfahrene, inzwischen emeritierte Bioethik-Professor aus Düsseldorf wahrnimmt. Richtig ist aber auch, was Berichterstatter in der Regel nicht erwähnen oder bei ihren Recherchen wohl schlicht übersehen: Birnbacher berät nicht nur die BÄK, sondern auch DGHS und Giordano-Bruno-Stiftung, deren gemeinsame, gegenwärtige Mission es ist, mit der recht aufwändigen – vom wem eigentlich in welchem Ausmaß finanzierten ? – Pro-Sterbehilfe-Kampagne Politik und Öffentlichkeit nachhaltig zu beeindrucken.

    Es ist aufschlussreich, die Beiräte dieser Organisationen mal genauer anzuschauen. Insbesondere die Berater der DGHS, durchweg ausgestattet mit Professorentiteln, erscheinen vielen Redaktionen wohl als kompetente und telegene Fachleute – wobei sie dem Publikum allerdings meist nicht mitteilen, dass und welche Rolle diese ExpertInnen in besagter DGHS spielen. Wissenschaftlichen Input für die DGHS liefern zurzeit, laut Selbstdarstellung, u.a. die ProfessorInnen Dieter Birnbacher (Düsseldorf), Eric Hilgendorf (Würzburg), Bettina Schöne-Seifert (Münster) sowie der von der DGHS ausgezeichnete Buchautor und Mediziner Dr. Michael de Ridder (Berlin). Birnbacher und Hilgendorf gehören zudem dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an; de Ridder engagiert sich auch in einem Kuratorium des Humanistischen Verbandes, der ebenfalls für die Zulassung des ärztlich assistierten Suizids streitet.

    Zurück zur ZEKO mit ihrem Vorsitzenden Dieter Birnbacher: Deren Mitglieder werden laut Statut durch den Vorstand der BÄK berufen, auf Vorschlag diverser Wissenschaftsorganisationen. Der amtierende BÄK-Vorsitzende, Frank Ulrich Montgomery, lehnt in öffentlichen Stellungnahmen den assistierten Suizid vehement ab. Die Gründe hat Montgomery sehr anschaulich – auch mit Blick auf brisante Fragen wie Qualitätssicherung, Bezahlung und Haftung – zum Beispiel jüngst in einem »Essay« im Hamburger Ärzteblatt (Seiten 20+21) zu Papier gebracht.

    Bemerkenswert auch dies: Birnbacher steht in der ZEKO mit seiner Position sicher nicht allein da. Im Vorstand der ZEKO wirkt der als Berater viel gefragte Professor Jochen Taupitz (Mannheim) mit; der wortgewandte Jurist ist, unter anderem, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. Reichlich Schlagzeilen machte Taupitz jüngst als Mitautor eines »Gesetzesvorschlags« zwecks gesellschaftlicher Billigung des ärztlich assistierten Suizids, der die aktuelle Debatte ja maßgeblich befeuert hat. Ein weiterer ärztlicher Berater in der ZEKO ist der Medizinethiker Georg Marckmann (München), der einen brisanten Modell-Versuch zu Patientenverfügungen in Altenheimen mitverantwortet hat und Priorisierungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung grundsätzlich gut findet und entsprechend gefragt ist. Und Birnbachers langjähriger Vorgänger als ZEKO-Vorsitzender, der Medizinethiker Urban Wiesing (Tübingen), ist auch einer der Co-Autoren des besagten Gesetzesvorschlages unter juristischer Federführung von Prof. Taupitz. Der tageszeitung (taz) gab Wiesing im April 2014 ein Interview. Wiesings Antworten lesen sich heute wie eine Vorlage für den später gemeinsam mit dem Rechtswissenschaftler Taupitz, dem Palliativmediziner Gian Domenico Borasio (Lausanne) und dem Medizinethiker Ralf Jox (München) vorgelegten »Gesetzesvorschlag«. Jox und DGHS-Beirätin Schöne-Seifert (s.o.) haben im Deutschen Ärzteblatt vor einigen Monaten darüber sinniert, ob Patientenverfügungen auch bei Menschen mit Demenz verbindlich sein sollten.

    Angesichts der penetranten »Sterbehilfe«-Werbung, die ZEKO-Repräsentant Birnbacher offensichtlich unterstützt, drängt sich die Frage an den BÄK-Vorstand und dessen professionellen Öffentlichkeitsarbeiter geradezu auf: Nach welchen Kriterien sucht sich die die BÄK ihre medizinethischen, mitunter ja auch medienwirksamen Berater eigentlich aus? Etwa zu dem Zweck, den eigenen Berufsstand kontinuierlich und öffentlich unter Druck setzen zu lassen? Hoffentlich nicht!

    Bitte vormerken, anmelden, weitersagen!

    »Ökonomien des Sterbens«

    Essen – 15. November 2014

    Eine gemeinsame Tagung von BioSkop, Hospizvereinigung Omega und Bildungswerk der Humanistischen Union NRW

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